Mediaval-Solidaritäts-Festivals








Interview: Bläcky

1)Lieber Bläcky, die letzte Zeit war sicher nicht einfach für Dich und das ganze Mediaval-Team. Wie geht es Dir denn gerade?
Hallo Bernd, mir persönlich geht es gut, ich bin aber auch nicht leicht unterzukriegen. Die schwierige Zeit für das Festival ist noch lange nicht vorbei. Es ist noch nicht abzusehen, wie viele Besucher sich entschließen dann im September das F-M XIII zu besuchen. Und nächstes Jahr sind dann die „Bayrisch-Tschechischen-Freundschaftswochen“ in Selb und As und da wollten wir eigentlich groß auftrumpfen. Wenn wir das schaffen, dann kann das Mediaval nichts mehr stoppen.

2)Seit der Absage haben sich ja unglaublich viele Menschen mit Spenden und bei der großen Weihnachtsversteigerung sowohl als Sachspender, als auch als Käufer beteiligt um das Festival-Mediaval nicht sterben zu lassen. Hast Du mit so einer Unterstützung und so viel Anteilnahme gerechnet?
Nach der behördlichen Absage 2021 habe ich das erste Mal in der Mediavalhistorie ernsthaft über eine Konkursanmeldung nachgedacht, da ich keine Chance mehr gesehen habe.
Dann kam u.a. dein Anruf, dass sich eine Unterstützergruppe gebildet hat aus Pressevertretern und Künstlern, damit das Festival-Mediaval nicht stirbt.
Das war der Wahnsinn und damit hatte ich nicht gerechnet. Für die verschiedenen Aktionen von Tickettausch, Spendenaufruf, Family-T-Shirt und -Armband bis zur Mega-Advents-Auktion hatte ich natürlich jeweils eine Wunschvorstellung der Einnahmen, die in allen Fällen erreicht und in den allermeisten übertroffen wurde. Wir konnten also bis Ende 2021 alle Vorstellungen übertreffen, da auch vermehrt Merchartikel bestellt wurden und auch einige Dinge extra angefertigt und uns gespendet wurden, um diese zu verkaufen.
Dass alle Teilnehmer und Besucher des Festival-Mediaval zusammenhalten, dass konnte man ja jedes Jahr auf dem Festival sehen, jetzt hat sich gezeigt, dass das Mediaval für sehr viele Menschen einen hohen emotionalen Wert hat und bereit sind einen Teil beizutragen, dass es weiter gehen kann.

3)Als das Festival dann endgültig abgesagt wurde, während in anderen Bundesländern noch Konzerte und Open-Air Veranstaltungen stattfanden und manch einer der Besucher forderte, doch das Festival in einem anderen Bundesland zu halten, kommt man da ins Grübeln?
Nur ganz kurz. Die Regeln ändern sich ja ständig, jetzt ist z.B. Bayern Vorreiter für Öffnungen, wer hätte das gedacht? Das Wichtigste ist aber, dass wir in Selb von Anfang an sehr gut aufgenommen wurden, wir die gesamte Logistik in Selb haben und sehr viele Unterstützer.

4)Lass uns nach vorne schauen, in diesem Jahr gibt es ja sogar 2 Veranstaltungen in Selb. Neben dem großen Festival-Mediaval gibt es ja im Mai schon 2 tolle Tage zu erleben. Dies ist ja ein weiterer Schritt um das Überleben zu sichern. Was erwartet die Besucher denn an dem Wochenende musikalisch?
Es handelt sich dabei um den nächsten Schritt zur Rettung des Mediaval. 2 Solidaritätsfestivals, ein Tag Rock (14.05.22), ein Tag Folk (15.05.22), was die Bandbreite des musikalischen Angebotes auf dem F-M abbildet. Jeder kann also seinen Musikgeschmack erleben oder beide Tage zusammen genießen. Im Gegensatz zum Benefiz-Festival letztes Jahr, bei dem wir die Musiker unterstützt haben, unterstützen uns jetzt Bands und Künstler, in dem sie auf Gagen verzichten.
Am Samstag spielen z.B. Corvus Corax, Qntal, The Blackbeers …
Am Sonntag u.a. Faun, Poeta Magica, Totus Gaudeo, Pampatutti

5)Mich haben schon einige Besucher gefragt, ob es auch einen Markt und ein Rahmenprogramm gibt, was ist denn da so geplant?
Es wird auf den Solidaritätsfestival eine Konzert- und eine Marktebene geben und in den Konzertpausen werden „Jolandolo“ und „Bayerns Captain Jack“ ihre Späße treiben.

6) Die letzten 2 Jahre waren ja nicht nur für die ganzen Veranstalter ganz bitter, die ganze Branche kämpft momentan verzweifelt ums Überleben und der eine oder andere Mitarbeiter haben sich inzwischen andere Jobs gesucht. Wie schwierig ist es denn momentan überhaupt ein Festival zu planen?
Sehr schwierig. Wir haben den Vorteil, dass wir langjährige Partner für Bühne, Technik, Security, Zäune, Toiletten etc. haben und deshalb ist bei uns alles gesichert. Bühnentechnikfirmen haben allerdings Probleme Personal zu finden, da sind viele abgewandert, ebenso Security etc. Dies führt zu einer Verteuerung der Produktionskosten. Dazu kommt die Umstellung auf ein Co2-freies arbeiten. Wir sind da zwar schon recht weit mit Ökostrom etc., aber es gibt noch viele Schritte zu gehen.

7) Auch die Musiker/innen, gerade die davon leben, hatten und haben wohl die schwierigste Zeit ihres Lebens. Umso bemerkenswerter ist, dass sich so viele Bands bereit erklärt haben im Mai das Festival zu unterstützen, man hätte ja locker 4 Tage Festival machen können. Ist das nicht unglaublich?
Auf meine Anfrage an meine Bandkontakte haben sich 3-4 mal so viele Bands gemeldet, wie ich Spielplätze habe, obwohl ich die Planung schon von 5 auf 7 Bands/Tag erhöht hatte. Ich hätte also 4 Tage pro Sparte machen können, (lach!).
Und die Qualität der Bands und des Gesamtprogramms ist wirklich großartig. Das hätte ich so nie erwartet, zeigt aber auch die Wertschätzung des Festival-Mediaval bei den Künstlern. Hierfür bin ich den Künstlern sehr, sehr dankbar.

8) Auch wenn der Fokus sicher auf die Planung im Mai liegt, laufen die Planungen für das Festival Mediaval 2022 parallel. Gibt es irgendwelche heißen Neuigkeiten und wie sieht es denn mit der Piratenbucht aus? Kann die vielleicht doch wieder ein Thema werden, sie wird von vielen ja sehr geliebt?
Die Goldbergbucht ist erst mal gestrichen. Außer der Nichtkontrollierbarkeit in Bezug auf Abstand, Masken, Zutritt etc. zahlen wir ja jedes Jahr eine beträchtliche Summe dazu, damit das Programm dort stattfinden kann. Jetzt ist erst mal Sparen angesagt, also wird es die Goldbergbucht nicht geben.

9) Eine Besonderheit des Festival-Mediaval ist, dass man Jahr für Jahr Acts erleben kann, die man vielleicht nur von Namen her kennt oder vielleicht nicht mal davon. Und da sind dann viele Highlights dabei, Wie kommst Du denn auf die Bands und was hört Mr. Mediaval eigentlich privat am liebsten?
Es gibt immer wieder Bands, die mir irgendwo auffallen, aber die meisten bewerben sich bei uns. Was mir wichtig ist, dass die Band live überzeugt, also muss ich ein Konzert besuchen oder zumindest ein Live-Konzert auf Video ansehen können.
Privat höre ich kaum Musik und Hören vor Allem beim Autofahren, aber dann Info- oder Kultursender. Ansonsten mag ich natürlich, alles aus meiner Jugend, was guter Rock und Folk war und ist.

10) So da sind wir auch schon bei Frage 10 angekommen und die ist dafür gedacht, wenn es noch etwas gibt, was mein Interviewpartner gerne los werden will. Also Bläcky schieß los.
Liebe Freunde des Festival-Mediaval,
bisher läuft unsere Rettungskampagne sehr gut, aber wir haben erst 1/3 des Weges geschafft. Jetzt kommt es darauf an, ob ihr wieder Vertrauen habt und auf Veranstaltungen geht, also ob wir mehr als 1000 Tickets für Mai verkaufen können und vor Allem, ob wir ein volles Haus im September haben werden. Da die Werbungsmöglichkeiten immer noch sehr eingeschränkt sind, bitte ich euch alle, die Infos zu verteilen, vor Allem in sozialen Netzwerken auf allen Kanälen. Für das F-M XIII soll es ab Frühjahr auch Plakate und Flyer geben, da hoffe ich, dass ihr dann auch fleißig beim Verteilen helft.
Ich bin mir sicher, dass wir bereits im Mai ohne große Einschränkungen feiern können und im September lassen wir es krachen, das wird großartig.
Bläcky