Mediaval-Solidaritäts-Festivals








Interview: IRXN

Seit mehr als 15 Jahren bastelt die Band IRXN aus Ottobrunn an ihrem ganz eigenen Sound, mit dem sie auch beim Bardentreffen in Nürnberg, das größte Festival für Weltmusik weltweit, aufgetreten sind und auch da das Publikum begeisterten. Manch einer hat sie auch beim Festival-Mediaval schon erlebt, aber seitdem hat sich so einiges getan. Was, verrät uns Reinhold der Kelte in unserem kleinen Interview. Freut Euch auf den bunten Haufen in Selb am 14.05.2022

Ihr von IRXN seid beim Festival-Mediaval keine ganz Unbekannten. Der eine oder anderen wird sich vielleicht noch an den Bavarian Celtic Folk Auftritt 2015 erinnern. Umso erstaunter werden die sein, die Euch dann im Mai auf der Bühne erleben. Denn bei IRXN hat sich so einiges verändert. Fangen wir mal mit der Musik an, die ist deutlich metallastiger geworden oder?
Ja, wir hatten seit einiger Zeit die Vorstellung, das Projekt mehr in diese Richtung auszurichten. Es war für uns ein logischer Schritt in unserer Entwicklung. Die letzten Singles haben uns da bestätigt. Wir hatten uns ausprobiert – und es gefiel uns sehr.

Auch was die Besetzung anbelangt hat sich Einiges getan. Bring uns doch mal auf den neuesten Stand und was sind die Gründe für so viel Veränderung?
Die IRXN Formation vorher bestand aus fünf MusikerInnen. Es gab bereits Pläne, uns durch zusätzliche MusikerInnen / Instrumente zu verstärken, die Varianz in der Musik zu verbreitern. Dann kam Corona. Nicht nur durch die Pandemie-Auswirkungen, speziell auf selbständige MusikerInnen, also Soloselbständige, haben sich Lebenspläne verändert. Das hat dazu geführt, dass sich drei von fünf für einen alternativen Weg entschieden haben - letztendlich war es eine logische Konsequenz aus der Situation. Wir haben das auch als Chance begriffen und das Projekt IRXN nicht beendet, sondern durch intensive Suche, auch durch bestehende Kontakte, nicht nur die vakanten Stellen besetzt, also Schlagzeug, Bass und Violine, sondern unsere Vorstellung durch eine zusätzliche Gitarre und eine weitere Front-Stimme umgesetzt.

Wenn ich richtig informiert bin kommt im Juni die neue CD heraus. Wird das Konzert in Selb damit ein Release Konzert und auf was darf man sich bei Eurem Auftritt denn noch freuen?
Das Release-Konzert, also das offizielle, wird am 24.06. in Bad Endorf sein. Aber wir haben natürlich bereits neue Songs aus diesem Album im Gepäck … und die alten Nummern auf der Setlist sind überarbeitet und im neuen Gewand einer 7-köpfigen Band 😉

Wir müssen auch über Euere erste Single des neuen Albums Unschuld reden. Die ist Ende März erschienen und wenn man die Zugriffszahlen auf YouTube anschaut hat die schon ziemlich eingeschlagen. Allein die ersten Sekunden zeigen mit der Kirche schon mal eine „Organisation“ die es mit der Unschuld nicht so genau nimmt. Ihr streift aber noch viel mehr Bereiche. Wie unschuldig sind eigentlich die Musiker von IRXN und warum habt ihr gerade diesen Song als Single ausgewählt?
Ja, wir freuen uns da ein Loch ins Knie, der Song hatte einen guten Start! Und natürlich sind wir alle reine Unschuld, und nichts als Unschuld. Im Ernst, es ist wohl eines der spannendsten Themen, mit denen eine sich eine Band musikalisch auseinandersetzen kann - und wir haben diese Nummer gewählt, weil sie am besten das neue IRXN-Erleben transportiert.

IRXN gibt es ja schon seit 2006. Trotzdem bin ich mir sicher, dass Euch ein Großteil im Mai erstmals erleben wird. Deshalb sollten wir noch etwas über die Band sprechen. Allein der Name ist ja ziemlich ungewöhnlich. Und nur ganz eingefleischte Bayern dürften schon mal was von IRXNSCHMOIZ gehört haben. Klär doch mal die Nichtbayern auf, wie der Name entstanden ist, was er bedeutet er und warum gerade IRXN?
IRXN ist aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet Achsel. Der Begriff hat sich im Südosten Deutschlands und im Nordesten Österreichs erhalten, vor allem im Holzfäller-, Zimmerer- und Bauernberuf. ‚Hast a starke IRXN?‘ – also hast du Kraft in der Achsel, heißt in den Armen? Es ist ein Synonym für Kraft und Energie geworden … und in dieser Bedeutung fanden wir den Namen als Bandnamen bestechend geil.

Mit einem so starken bayerischen Bezug ist es ja doppelt schwierig in Deutschland wahrgenommen zu werden. Dafür habt ihr in Österreich größere Vorteile. Wie sind denn da Euere Erfahrungen und müssen unser Nicht-Bayerischen Gäste erstmals einen Sprachkurs machen, bevor sie sich im Mai auf IRXN einlassen dürfen?
IRXN war jetzt über die Jahre weit mehr in Deutschland, als anderswo auf den Bühnen. Klar, in (Süd-) Bayern haben wir eine gute Fanbase. Aber auch in B-W und Hessen, Thüringen und Sachsen sind wir oft und gerne. Sprachbarrieren? Gibt es nicht – wir haben aber auch nicht ausschließlich bayerische Lyrics im Programm. Vieles ist in Standard – aber gerade einige der Dialekt-Stücke kommen nördlich des Weißwurst Äquators sehr gut an.

Wenn man sich mit Menschen über die aktuelle Konzertsituation unterhält, fällt sehr auf, dass viele sich nach der Vor-Corona-Normalität sehnen, aber trotzdem gerade auch wegen dem ganzen Leid auf der Welt momentan ein sehr gespaltenes Verhältnis haben Konzertevents zu besuchen. Sicher ist das für einen Musiker gerade auch nicht so einfach und die Coronaangst ist sicher auch noch nicht verschwunden. Gib uns doch einmal einen kleinen Einblick in Dein Seelenleben dazu.
Ich denke, es wird sehr lange dauern, bis sich vielleicht (!) wieder eine Normalität in dem Sinn einstellen wird. Ich denke, wir sind mit einer neuen Realität konfrontiert – es ist einiges im Fluss, vieles wird bleiben, vieles sich ändern. Ich denke nicht, dass man im Moment bereits Aussagen über das treffen kann, wie sich die ganze Geschichte weiterentwickelt. Der Graben, den die Pandemie offenkundig gemacht hat, muss langsam und mühselig wieder gefüllt werden. Zurzeit schwankt alles noch zwischen Vor- und Zuversicht. Wir alle können nur hoffen, dass wir einen Weg in einen Umgang damit finden, der so etwas wie eine Normalität (zurück-)bringen wird.

Wir müssen auch das Thema Ukraine ansprechen, ihr habt Euch hier ja auch sehr engagiert bzw., engagiert Euch. Ihr seid ja eh sehr engagierte Menschen, was man auch am Mitwirken beim Benefiz- Festival sieht. Seid ihr je in der Ukraine aufgetreten und habt ihr einen besonderen vielleicht musikalischen Bezug zur Ukraine?
Nein, wir waren nie in der Ukraine, wie auch vielen anderen Ländern des sogenannten Ostens nicht. Aber die meisten von uns kennen Menschen vieler Nationen – unter anderen eben auch Ukrainer. Als ich in meinem letzten Leben in der IT am Arbeiten war, hatte ich in meinem Team 12 Nationalitäten. Auch Russen und Ukrainer – die sich übrigens prächtig verstanden und ergänzt haben. Für mich ist es unverständlich, wie man es schafft, Menschen, die man Jahrzehnte als Nachbarn hatte, plötzlich als Feinde zu betrachten – das geht mir nicht in mein Hirn. Definitiv nicht!

Das Festival im Mai ist ja als Solidaritätsfestival für das Festival-Mediaval gedacht, das leider noch lange nicht finanziell über den Berg ist. Ganz im Gegenteil, durch die exorbitant steigenden Kosten die nun auf den/die Veranstalter zukommen wird es für die Konzertbranche allgemein immer schwieriger zu überleben, genauso für viele Musiker. Nur die Wenigsten können echt von ihrer Musik gut leben. Wie ist denn da bei Euch die Situation?
Letztendlich war die Situation ja der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, und einen Neuaufbau notwendig machte. Wie gesagt, nicht nur aber auch, war der Eindruck der Pandemie für andere Lebensplanungen mit eine Basis.

Wir sind schon bei der zehnten Frage angekommen und das ist traditionell Euer Joker. Was ist Euch denn noch wichtig oder was sollte man unbedingt von IRXN wissen?
Wir freuen uns echt nach all der Zeit im Keller wieder die Luft der Bühnen und Festivals zu schnuppern und die besten Fans, die eine Band nur haben kann, wieder in NATURA und IN ECHT zu sehen. Der Beginn ist ja noch recht vorsichtig, aber wir sind zuversichtlich – und IRXN geht volle Kraft voraus in diese Saison 😊

Interview: Bernd Sonntag, RCN Nürnberg, Konzertreport.de